Tauchausfahrt nach Norwegen, Oktober 2007

 – oder: tauchen einmal anders

Als Vereinausfahrt stand dieses Jahr Anfang Oktober Skottevik in Norwegen auf dem Programm. Dass Tauchen in Norwegen sehr anspruchsvoll ist und seine eigenen Reize hat war das einhellige Fazit aller TSG Taucher.

Die Bucht mit der Tauchbasis. Mit zwei Bussen machten wir uns auf den Weg nach Hirtshals in Dänemark, um anschließend mit der Fähre nach Kristiansand überzusetzen. Von dort aus sollte es noch eine halbe Stunde bis zu unserer Tauchbasis in Skottevik sein. Sollte … Wir waren nach 14 Stunden Fahrt pünktlich um 23 Uhr in Hirtshals angekommen. Die Abfahrt der Fähre war auf 1.15 Uhr terminiert, da aber vor Ort ein richtiger Nordseeorkan tobte, konnte sie nicht in den Hafen einlaufen. Nach allen möglichem Zeitvertreib schliefen wir in den unterschiedlichsten Stellungen ein. Am nächsten Tag um 11 Uhr hatte sich der Sturm soweit gelegt, dass die Fähre einlaufen und ent- bzw. beladen werden konnte. Nach stürmischer Überfahrt – bei der manche nichtsdestotrotz schon mal am Abbau des Schlafdefizits arbeiteten – erreichten wir Kristiansand 5 Stunden später und die Tauchbasis um 18 Uhr.

Bootshafen von Skottevik. Die Ferienanlage Skottevik ist ein Genuss für die Sinne. Landschaftlich ist es hier wunderschön, Wasser, Granitfelsen, Wald, Heidekraut und die bunten norwegischen Holzhäuser prägen das Bild. Das Wetter war trotz des wenig verheißungsvollen Auftakts gut, abgesehen vom ersten Tag, an dem es zunächst in Strömen regnete, aber aufklarte, als wir zum Tauchen hinausfuhren. Danach gab es meist wolkenlos-blauen Himmel, phantastische Sonnenuntergänge (für die, die sich vom Dekobier losreißen konnten) und einen wunderbaren Sternenhimmel in einer Klarheit, die man bei uns kaum zu sehen bekommt.

Am Wrack der "Seattle". Die Gegend um Kristiansand liegt an einer Golfstromkante, so dass wir Anfang Oktober noch 19 Grad Oberflächentemperatur hatten und auf 40 m immerhin noch 13 Grad, also beste Voraussetzungen für abwechslungsreiche Tauchgänge. Der vorgelagerte Schärengarten bot hierfür tolle Gelegenheiten, genauso wie das Hausriff. Highlights waren neben zahlreichen Steilwände, die Tauchgänge zu den Wracks der „Seattle“ und zum Flugboot „Do 24“. Beides sind absolute Topspots, und insbesondere ersteres, ein 1940 im Kreuzfeuer zwischen Deutschen und Norwegern gesunkener 150-m-Frachter, auch ganz schön anspruchsvoll, da kalt, tief und dunkel. Die Minimaltiefe am Heck ist 22 m, und von da aus geht es steil nach unten. Eine Entschädigung war allerdings der phantastische Bewuchs mit Cockpit der Dornier Do 24.Totemannshänden, Seescheiden, Schwämmen und anderem, der dem tropischer Wracks absolut ebenbürtig ist. Die Do 24, eines der größten deutschen Flugzeuge des Zweiten Weltkriegs, liegt in mehrere Stücke zerbrochen in 30-32 m Tiefe auf Schlammgrund nahe dem Flughafen Kjevik. Da eine trübe Oberflächenschicht fast alles Licht wegfilterte, konnte diese Aktion trotz des hellen Sonnenscheins schon fast als Nachttauchgang zählen. Angesichts der Tiefe und der vielen interessanten Details wie dem Cockpit mit Pilotensitzen und Steuerknüppeln oder zwei der ursprünglich drei 1.000 PS-BMW-Motoren muss man durchaus aufpassen, um nicht unversehens in Deko zu kommen. Einen wesentlich gemütlicheren Wracktauchgang boten die beiden direkt nebeneinander liegenden, kleinen Frachter „Bjarte“ und „Kjelløy“, die von ihrem Besitzer durch Versenken „entsorgt“ wurden und in Das Wrack der "Kjelløy"maximal 18 m Tiefe liegen. Vor allem die „Kjelløy“, das größere der beiden, hatte mit ihrem Bewuchs sowie Schrauben, Winschen, Pollern, Laderäumen und einer fotogen zerfallenen Brücke vor allem für die Fotografen viel zu bieten. Von den zahlreichen Steilwänden hat es uns der Tauchplatz „Skipholmen“ am meisten angetan. Insbesondere im tiefen Bereich zwischen 30 und 40 m gibt es hier einen schönen Bewuchs aus Totemannshänden und Seescheiden. Zu den Kuriositäten gehörte der Tauchgang an der Steilwand bei Kjevik. Es gab hier nicht nur ein namenloses Kleinwrack mit schönem Bewuchs, sondern auch eine Wand, die manchen mit ihrer Düsternis hier den Eingang in die Unterwelt vermuten ließ. Zu guter Totemannshände. letzt glaubte man sich ob der enormen Anzahl von Medusen (Quallen) im Flachbereich in den berühmten „Jellyfish Lake“ von Palau versetzt. Warum in den Pazifik fliegen, wenn man dasselbe auch gleich um die Ecke haben kann! Mit zwei Nachttauchgängen rundeten wir das taucherische Programm ab. Hier gab es neben Krabben in imponierenden Größen zahlreiche Einsiedlerkrebse, einen kleinen Seeteufel und sogar Aale zu sehen. Dass sich der Boden zu bewegen schien, war keine optische Täuschung: Es wimmelte von Einsiedlerkrebsen!

Typischer Seestern.  Die Tier- und Pflanzenwelt ist auch in den nordischen Kaltgewässern reichhaltig. Allerdings sieht man dort mehr Kaltwasserkorallen wie die markante „Totemannshand“ oder Krustentiere wie Krabben, Hummer, Schnecken und Seesterne. Im Flachbereich dominiert der Kelp, was zu Folge hat, dass man hier kaum etwas sieht, da sich alles, was Flossen hat, darin versteckt. An Fischen haben wir z.B. Schellfische, Dorsche, Seelachse, viele Schollen, Petermännchen, kleine Seeteufel, Aale und verschiedene Barscharten angetroffen. Wir erfuhren auch, dass Fische im Oktober an den von uns bevorzugten Steilwänden seltener anzutreffen sind. Sie halten sich dann eher im flacheren Wasser, auf Sandbänken oder Seegraswiesen auf. Ein Erlebnis eigener Art war das teils massenweise Auftreten von Quallen, mit deren Nesselfäden fast jeder einmal Bekanntschaft machte. Ebenfalls massenhaft anzutreffen, aber harmlos waren die Medusen, die mit den über ihren „Körper“ laufenden „Lichtsignalen“ beeindruckten.

Lippfisch. Die Tauchgänge sind vom Tauchprofil her sehr anspruchsvoll, Tiefen von um die 40 m, eingeschränkte Sicht, Kälte und Dunkelheit tun ihr übriges dazu, dass jeder alle Register ziehen musste, um die Tauchgänge genießen zu können. Wir waren nach einer Woche Tauchen sehr zufrieden, aber auch sehr ausgekühlt.

In unserem Domizil, direkt an der Tauchbasis blieb auch kulinarisch nichts offen. Unsere zwei Chefköche Ade Gerold und Dagmar Jäger zauberten jeden Abend leckere Gerichte, wobei der Höhepunkt frisch gefangene Makrelenfilets mit Avocadosoße und Scordalia waren.

Mit der Leitung des Skottevik Feriesenter (Klaus) und der Tauchbasis (Christine) hatten wir nette Gespräche und beste Betreuung. Norwegen war ein Erlebnis!

Mehr Bilder gibt es in der Fotogalerie.

Kurt Hocher & Daniel Stihler