Tauchausfahrt Kulkwitzsee, 26.-29. Mai 2005

Das lange Wochenende über „Fronleichnam“ nutzten Jochen (nebst Familie), Rainer und Frank zum Tauchen in einem der inzwischen beliebtesten Tauchge-wässer im Osten Deutschlands – dem Kulkwitzsee. Dabei handelt es sich um einen ca. 150 ha großen rekultivierten ehemaligen Braunkohletagebau, der eine Maximaltiefe von ca. 34 m erreicht. Auf dem Campingplatz war nicht zu übersehen, dass sich der See als Tauchgewässer bundesweit herumgesprochen hat – ca. 80% der Camper waren Taucher. Jochen reiste schon am Dienstag an, Rainer und ich kamen dann am Mittwoch abend dazu. Das Wetter war uns dabei mehr als hold – mit Temperaturen über 30°C war es erst im Wasser so richtig gemütlich.

Zunächst ein paar Worte zur Unterkunft: der Campingplatz Lausen ist auf´s modernste ausgestattet, und das noch zu moderaten Preisen. Die Stellplätze sind meist gut durch Bäume beschattet, man kann sich frei hinstellen, ohne Zuwei-sung, und die Sanitäreinrichtungen sind bestens gepflegt. Für Campingmuffel gibt es auch Bungalows oder Finnhütten zu mieten.

Gleich am Campingplatz befindet sich ein gut gekennzeichneter Taucheinstieg und eine Füllstation, wo man für 6 € seine Flasche füllen lassen kann (auch Sonn- und Feiertags geöffnet). Die Zonen der Taucheinstiege (auch der am Strand Lausen) wurden durch große gelbe Bojen eindeutig von der Badezone abgetrennt und gekennzeichnet. Die Dinger sind weithin sichtbar. Für das Tau-chen sind einige Regeln zu beachten.

Regeln beim Abtauchen:

  • Abtauchen nur im Bojen-Bereich.

Regeln beim Austauchen:

  • An der Abbruchkante (Tiefe ca. 4-5m) auftauchen und zum Einstiegsbereich orientieren.
  • Kurs auf den Einstiegsbereich nehmen und nur innerhalb des Bojen-Bereiches auftauchen.

An den Tauchbasen liegen Bücher aus, wo man sich eintragen und auch wieder austragen sollte (ist aber nicht Pflicht).

Da „Fronleichnam“ in Sachsen kein Feiertag ist, hatten wir Donnerstag und Frei-tag das Vergnügen, eine überschaubare Anzahl von Tauchern im Wasser zu haben, während es Samstag und Sonntag schon extrem mehr wurden. Es sind 3 Einstiegsstellen zugelassen, ansonsten ist der See Schutzgebiet oder Badestrand.

Am ersten Tag nutzten wir zunächst die Einstiegstelle am Campingplatz. Zum Üben gibt es rechter Hand eine Plattform auf 5 m Tiefe. Bei einer Sicht von 5 – 6m gab es hier ansonsten nur flachen Bewuchs und wenig Fisch zu sehen. An der Oberfläche hatte das Wasser schon 16-18°C, jedoch ab 15m Tauchtiefe sank das Thermometer deutlich unter die 10°C – Marke. Am Ausstieg ließen wir gleich wieder unsere Flaschen füllen, um für den nächsten Tauchgang am südlichen Zipfel des Sees gerüstet zu sein.

Etwa 3 – 4 km mit dem Auto – und schon waren wir am Strand von Göhrenz. Direkt am Parkplatz befindet sich die Tauchschule „Florian“, wo ein Buch zum Eintragen ausliegt, und man auch die Flaschen füllen lassen kann. Vom Parkplatz aus sind es noch ca. 500 m bis zum Strand, was uns bei diesen Temperaturen kräftig den Schweiß auf die Stirn getrieben hat. Um so erholsamer und erfreuli-cher war dann hier der Tauchgang: Üppiger Pflanzenbewuchs, jede Menge Fisch und eine etwas mystische Unterwasserwelt durch abgestorbene und umgestürzte Bäume waren der Lohn für unseren Schweiß. Zur allgemeinen Freude, sind uns einige Hechte, Schleie und Aale vor die Linse gekommen. Rechter Hand vom Einstieg befindet sich eine Plattform auf 5m.

Etwa 10 km in nördlicher Richtung befindet sich der Saale-Elster-Kanal. Es ist ein ca. 12 km langer Kanal, der nie fertig gestellte wurde. Er hat an beiden Enden keine Verbindung zu anderen Gewässern, ist also normalerweise auch frei von Bootsverkehr. Die Bauarbeiten wurden Anfang der 30er Jahre begonnen, jedoch im 2. Weltkrieg wieder eingestellt. Der Kanal ist maximal 4m tief und 25m breit und ist auffallend dicht, teilweise bis an die Oberfläche bewachsen. Bei Sonnen-einstrahlung erlebt man hier herrliche Lichtspiele und Fische gibt’s “ohne Ende”. Der Kanal ist allerdings auf der gesamten Länge – bis auf das letzte Stück nach der Brücke Günthersdorf – sowohl fürs Baden, Tauchen und Betreten gesperrt. Für den “Tauchbetrieb” stehen also noch ca. 800 m zur Verfügung. Als wir am Freitagvormittag dort einstiegen, hatten wir eine Sicht von ca. 3m. Die Sonne leuchtete den Kanal voll aus, so dass wir beste Fotobeleuchtung hatten. Nur lei-der waren auf Grund des dichten Bewuchses die dicken Karpfen immer wieder ganz schnell im „Dickicht“ verschwunden. Es war schon ein tolles Gefühl, durch so einen Urwald zu schwimmen, jedoch ist es hier angebracht, sich vorsichtig zu bewegen, um nicht unnötig die Sedimente aufzuwirbeln. Zwei andere Taucher, die uns auf dem Rückweg entgegenkamen, hatten das offensichtlich noch nicht kapiert, so wie sie den Kanal „durchpflügten“. Schlagartig trübte sich die Sicht, und wir waren froh, dass wir schon das meiste gesehen hatten. Auch als wir am Sonntag hier unseren „Abschlusstauchgang“ machten, war die Sicht nicht mehr so gut wie beim ersten Mal.

Am Freitag Abend verabschiedete sich Jochen mit seiner Familie, und wir blieben für kurze Zeit zu zweit im „Camp“. Kurz vor „Toresschluß“ kamen Bekannte aus Crailsheim, so dass wir dann für den Rest der Zeit wieder 4 Taucher waren.

Der Tauchgang am Samstagvormittag (wieder am Südufer) war wohl der schöns-te des Wochenendes. Wir blieben in dem Bereich oberhalb von 10m und sahen uns noch mal satt an der bizarren Unterwasserlandschaft aus bemoosten alten Baumresten und mit einer milchigen Schicht bedeckten Senkungen am Boden … Und Hechte gab es natürlich auch wieder in allen Größen zu sehen.

Für den Nachmittag hatten wir uns zum Ziel gesetzt, den versenkten Rumpf der legendären „Piper“ zu finden. Hierfür benutzt man den Einstieg von der Tauchbasis „Delphin“ am Strand Lausen (mit Füllstation und Buch für das Ein- und Aus-tragen). Der Anmarschweg vom Parkplatz erschien uns „unendlich“, obwohl es sicher nicht mehr als 500 m waren. Laut Veröffentlichungen im Internet oder in der Fachpresse braucht man nur die genaue Richtung auf das Flugzeugwrack mit dem Kompass anzupeilen – und es kann nichts schief gehen! Nur leider differenzierten schon mal die Richtungsan-gaben von 300 – 310°, und auch der Ausgangspunkt lag etwas im Dunklen. An der Tauchbasis holten wir uns dann noch kompetente „Insiderinformationen“ und bekamen auch noch einen alleintauchenden TL als Mittaucher an unsere Seite. Aber das Glück war uns nicht wohl gesonnen. Rainer gab ein zügiges Tempo vor, dass wir zu tun hatten, ihm zu folgen, dann wurde es immer dunkler und trüber… die Temperatur sank auf 6°C, und dann fing Rainers Automat an, abzublasen, so dass ich das Ventil schließen musste. Alles in allem kein sehr gemütliches Taucherlebnis… Wir tauchten dann zwar noch kurz nach Links und Rechts auf 20m Tiefe, waren uns dann aber doch einig, so schell wie möglich wieder die wärmeren Wasserschichten aufzusuchen. Den Abend verbrachten wir dann umso gemütlicher mit gegrilltem Fleisch aus Crailsheim und Leipziger Bier!

Nach einem kurzen Einstieg im Saale-Elster-Kanal, wo wir (zum Glück) sehr rücksichtsvollen Zeitgenossen mit einem motorisierten Schlauchboot begegneten, ging es dann wieder heimwärts Richtung Süden, vorbei an allen Autobahnstaus, die man sich an solch einem „Bilderbuchwochenende“ vorstellen kann. Alles in allem war es für alle Beteiligten ein erlebnisreiches Wochenende, dass wir wärmstens weiterempfehlen können, und gerne jederzeit wiederholen würden (das nächste Mal hoffentlich mit stärkerer Beteiligung).

Mehr Bilder gibt es in der Galerie von dieser Ausfahrt.

Text und Fotos: Frank Hauenstein