Silber- und Goldtauchschein-Abnahmewochenende am Plansee, 1.-3. Mai 2009

oder: “Nur die Harten kommen in den Garten”

Nach bestandener Theorieprüfung.Bereits die theoretische Prüfung am letzten Aprilwochenende war nicht ganz ohne Hindernisse verlaufen. Dank eines gerissenen Kupplungszugs strandeten wir erst einmal unterwegs bei Reippersberg und kamen nur dank des Einsatzes selbstloser Helfer (ein besonderes Dankeschön an Familie Amann!) rechtzeitig in das Vereinsheim des TTSG beim Schwäbisch Gmünder Hallenbad. Zwar klagten danach manche über schmerzende Finger vom vielen Schreiben, aber alle Haller haben die Prüfung bestanden – bis auf Kurt, der aber nicht durchgefallen ist, sondern urlaubsbedingt fehlte. Als Intellektueller brillierte übrigens Klaus mit 58 von 60 möglichen Punkten. Die Schwimmbadübungen hatten wir bereits im Vorfeld nach den Theorieeinheiten im Gmünder Hallenbad abgehakt. Als “Fallstrick” hatte sich übrigens der Palstek erwiesen, den kaum einer auf Anhieb in 5 m Tiefe knüpfen konnte. Bis zum Wiederholungstermin klappte es dann – nach unzähligen Übungsknoten… Bei dem vorgeschriebenen Schnorcheln über eine Stunde war hingegen die Langeweile das größte Problem.

So war das Wetter...Statt unter dem Maibaum zu sitzen und diesen Erfolg zu feiern, machten sich vier Gold- und zwei Silberkandidaten auf, um nun auch die praktischen Übungen hinter uns zu bringen. Wir schlossen uns deshalb den Tauchern vom Tauchteam Schwäbisch Gmünd an, um im Rahmen von deren traditionellen Maiwochenende am Plansee die von der Prüfungsordnung vorgeschriebenen Tauchgänge und Übungen zu absolvieren. Ursprünglich hatten wir an Zelten gedacht, doch zu unserem Glück kam von Edgar der Vorschlag, in der nahe gelegenen “Musteralm” ein paar Zimmer zu belegen. Der eine oder andere fand die Betten zwar etwas schmal, aber dafür wurden wir mit einem leckeren und üppigen Frühstück entschädigt. Nach problemloser Anreise am Donnerstag ging es am Freitag – während andere zum Maiwandern aufbrachen – die paar hundert Meter hinunter zum Campingplatz, wo die Gmünder ihre Zelte aufgeschlagen bzw. Wohnwagen und Campingbusse abgestellt hatten.

Unser Domizil bei Regen und Hagel.Zunächst einmal wiegte uns das Wetter mit strahlendem Sonnenschein in Sicherheit. Allerdings gab es wieder einmal Schwierigkeiten mit den fahrbaren Untersätzen – Edgar musste feststellen, dass die (neue) Batterie seines Autos hin war und in der Gegend auch keine passende zu bekommen sei. Unseren Pavillon direkt hinter der Hecke betraten wir anfangs nur barfuß bzw. mit Socken, um keinen Schmutz hineinzutragen. Wir bildeten mit den für uns verantwortlichen TLs Dreierteams und begannen, die fünf Tauchgänge mit den vorgeschriebenen Übungen abzuarbeiten. Der erste Tauchgang fand noch bei schönem Wetter statt, aber wir mussten feststellen, dass das Wasser nicht nur eiskalt war – keine Überraschung angesichts des Datums – sondern dass die Sicht “dank” zahlreicher Schlammwolken miserabel war. Während des zweiten Tauchgangs machte ich nicht nur die Erfahrung, dass eine seit 10 Jahren zusammengerollte Boje sich nicht so einfach entrollt, wie man sich das vielleicht vorstellt, sondern hatte auch das zweifelhafte Vergnügen, bei den Versuchen, sie aufzublasen, gleich zwei mal einen Vereiser zu haben. Immerhin hat auch so etwas sein gutes. Zum einen stellte ich fest, dass man auch aus einem vereisten und abblasenden Atemregler problemlos weiter atmen kann, zum anderen erwies sich Klaus als schnell schaltender und umsichtiger Buddy, der mir meinen Zweitatemregler gab und den “erfrorenen” Abgang zudrehte.

Nach bestandener Theorieprüfung.Mittlerweile hatten sich immer mehr Wolken vor die Sonne geschoben und irgendwann fing es dann an, nicht nur zu schütten wie aus Kübeln, nein, es hagelte noch dazu. Unser Dach erwies sich als Schönwetterkonstruktion, die die Feuchtigkeit lediglich feiner verteilte als der prasselnde Regen draußen. Eiskalt wurde es natürlich auch. Schließlich quetschten sich sechs mehr oder weniger durchfeuchtete Haller Taucher in Uwes Auto, die Heckklappe war geöffnet, um den Zustrom von Wärme aus dem davor stehenden Gasheizer zu ermöglichen. Es ist vielleicht verständlich, dass unser trauriges Schicksal die Vorbeilaufenden eher erheiterte. Eine zeitlang hofften wir noch auf Besserung, um den für diesen Tag eingeplanten Nachttauchgang machen zu können, aber da ein Gewitter nach dem anderen (oder dasselbe) den See herauf und herunter zog, gaben wir schließlich auf und verzogen uns in unser Domizil in der “Musteralm”, wo uns ein oder zwei Weizen und ein zünftiges Abendessen wieder etwas aufmunterten.

Am Sonntag wurde es dann noch einmal schön.Der nächste Tag verlief nicht sehr viel anders, abgesehen davon, dass die Pausen zwischen den Gewittern etwas größer waren. Klaus und ich absolvierten den Aufstieg ohne Flossenbenutzung und paddelten anschließend 20 Minuten lang auf dem See herum. Auf dem Rücken liegend konnte man schön sehen,dass der Schnee noch ziemlich nahe an das Seeufer reichte. Da fragt man sich schon, ob man hier nicht gerade was ziemlich verrücktes tut. Gegen Mittag hatten wir das zweifelhafte Vergnügen, einen Tauchunfall mit dem vollen Bergeprogramm miterleben zu können. Eine Anfängerin hatte nach einem Vereiser einen Panikaufstieg aus 17 m gemacht und wurde per Hubschrauber in’s Krankenhaus nach Murnau expediert. Zum Glück gab es keine ernsteren Gesundheitsschäden. Nach dieser Einlage ging das Gewitterpingpong wieder los, und wir “genossen” es, auf dem Steg zu warten, bis es aufhörte, zu hageln und zu gewittern, damit wir unseren nächsten Tauchgang machen konnten. Es war so duster, dass man diesen Tauchgang als Nachttauchgang hätte werten können. Wir absolvierten unter gewissen Mühen die Zweitautomatenübung (wobei ich die Erfahrung machte, dass man eine Boje festhalten sollte, wenn sie aufgeblasen der Oberfläche entgegenzischt). Unser anfangs so peinlich geschontes Domizil bot mittlerweile einen tristen Anblick – überall Schlamm, außen herum ebenfalls, alles dreckig und durchfeuchtet, das Gestänge von einigen Windböen so verbogen, dass es ein Fall für den Mülleimer war. Eine Entschädigung für diese Mühen gab dann ein Sauhaxenessen in der “Musteralm”, auf das ein Spontankonzert unseres Wirts folgte.

Geschafft! Am Sonntag gab es schließlich die Freitauchübungen, die sich für mich unerwartet als schwerste Herausforderung erwiesen. Apnoetauchen mit Trocki ist eine ausgesprochen mühsame und unbequeme Angelegenheit – man braucht einen Haufen Blei, um abtauchen zu können.Ging das 10 m-Tieftauchen noch einigermaßen, so war die Bergung eines Gerätetauchers aus 7,50 m eine wirkliche Schinderei, und die letzten 2 m bis zur Wasseroberfläche kamen mir ewig vor. Danach dann noch 150 m Abschleppen – ich war wirklich restlos bedient. Immerhin wärmte uns nun die Sonne – das aber so grundlich, dass fast jeder noch einen deftigen Sonnenbrand mit nach Hause brachte. Ob man das nun als versöhnlichen Abschied oder weiteren Hinweis auf die Unberechenkeit des Bergwetters werten will, sei einmal dahingestellt. Sicher ist jedenfalls, dass man in netter Gesellschaft so manche Strapaze ertragen kann – deshalb auch noch einmal ein herzliches Dankeschön an die Gmünder, und ganz besonders an Marcus, Sepp, Silvia, Krissi und Volker, die mit uns unsere Prüfungstauchgänge gemacht und sich mehrfach mehr oder weniger unsanft an die Wasseroberfläche befördern haben lassen. “Süß sind überstandene Mühsalen”, sagt ein römisches Sprichwort (für die “Klugscheißer”-Fraktion: “dulci sunt labores acti”).

Weitere Bilder gibt es in der Diashow.

Daniel Stihler