Nachttauchgang mit Hindernissen im Siebenerlensee, 1. September 2005

UW-Landschaft im SiebenerlenseeEndlich mal einige schöne Sommertage! Was liegt da näher, als das Auto voll zu packen und sich zu einem Nachttauchgang an den idyllischen Siebenerlensee bei Bruchsal aufzumachen? Seien wir ehrlich: sicherlich gibt es Leute, denen mancherlei näherliegendes einfallen würde, und solche, die es schlicht für Unsinn halten, extra für einen Tauchgang zwei Stunden im Auto zu sitzen und mitten in der Nacht wieder heimzukommen. Zu letzteren gehört übrigens auch meine Frau, wie Ehefrauen derartigen Unternehmungen ja generell eine beklagenswerte Skepsis entgegenzubringen scheinen. So war es denn auch eine reine Männeraktion, als Klaus, Dieter, Kurt und ich an einem sonnigen Donnerstagabend Anfang September die A 6 in Richtung Westen ansteuerten. Gleichzeitig war es auch die Abschiedsvorstellung für Kurts geräumigen Van, der wegen steigender Reparaturkosten einem kleineren Vehikel weichen musste. Was man auch immer gegen diese Fahrzeug einwenden mag, für Taucher ist es das Transportmittel der Wahl – wo sonst bekommt man ohne größeres Gewürge vier Tauchausrüstungen unter?

Aal im SiebenerlenseeSchon als wir im letzten Dämmerlicht am silbern schimmernden See standen, war die Frage, ob sich das gelohnt habe, schlicht nicht mehr existent. Die Vorfreude auf das kühle Nass, die durch das strapaziöse Hineinzwängen in die Anzüge noch gesteigert wurde, endete bei Kurt allerdings jäh, als er feststellen musste, dass er keine seiner drei Masken dabei hatte. Schuldbewusst erinnerte ich mich darin, dass ich eine Zweitmaske in der Hand gehalten, aber mit dem Gedanken wieder weggelegt hatte, dass ich sie höchstens verlieren würde, wenn ich sie mitnähme. So kamen wir immerhin in den Luxus einer „Supervision“ vom Ufer aus – da sich mehrere mit Lidl-Taucherlampen versehen hatten, war an Beleuch-tung kein Mangel. Der nächste Verlust traf dann mich, denn beim Anziehen der Flossen riss mein Flossenband. Da es sich jedoch irgendwie in der Schnalle verkantet hatte, hielt es noch und ich konnte das bisher fahrlässig aufgeschobene Ersetzen dieses 10 Jahre alten Originals noch einmal aufschieben. Einen Strömungstauchgang hätte man damit allerdings nicht mehr machen können… Zu meinem Erstaunen versagte das Restflossenband den ganzen Tauchgang über nicht den Dienst.

Unter Wasser waren derlei Missgeschicke schnell vergessen, denn das Wasser war sehr klar und üppig belebt. Zwar ist der See ab etwa 8 m schauderhaft kalt und ungastlich schlammig, aber der flachere Bereich weist einen schönen Bewuchs und einen beeindruckenden Fischreichtum auf. Neben zahlreichen kleineren Fischen, die teilweise in richtigen Schwärmen auftraten und offenbar vor allem die Speisekarte der großen bereichern, trafen wir auf Barsche von teils imponierender Größe, die aber den wenig netten Zug hatten, vor zudringlichen Tauchen in das eiskalte tiefere Wasser zu fliehen. Geradezu bedauern musste man einen armlangen und beeindruckend dicken Aal, der von Lampen und Blitzlicht geradezu verfolgt wurde. Er schlängelte sich zunehmende hektisch durch die Wasserpflanzen und war am Schluss so irritiert, dass er statt in ein Fischlein in einen Fetzen Alufolie biss – und ihn angewidert wieder ausspuckte. Neben diesem unglückseligen Genossen sahen wir noch mehrere kleinere Exemplare, die sich durch unser Interesse sichtlich belästigt fühlten, und mehrere allerdings kleine Hechte. Im Gegensatz zu den Aalen nahmen sie unser Treiben unbewegt zur Kenntnis und sahen uns allenfalls aus den Augenwinkeln zu. Coolness scheint hier absolute Pflicht zu sein. Der „Großmutter“ aller Hechte, einem gut einen Me-ter langen Exemplar, das uns vor zwei Jahren mal begegnet ist, konnten wir diesmal leider nicht unsere Aufwartung machen – hoffentlich ist „sie“ nicht einem Angler zum Opfer gefallen. Neben den Fischen, unter denen wir auch einen merkwürdig getüpfelten Zeitgenossen antrafen, der sicher nicht einheimisch ist, sondern eher aus einem Aquarium „entsorgt“ worden sein dürfte, bevölkern auch zahlreiche Flusskrebse den See. Es ist schon wirklich drollig, wenn sie sich a la Max Schmeling drohend aufrichten und ihre Scheren in Abwehrhaltung bringen, um einem unverschämten Kerl mit Kamera Furcht einzuflößen – und im Notfall blitzschnell den Rückwärtsgang einlegen, um jenem unbeeindruckten Rüpel und seinem Blitzlicht zu entkommen.

BarschIm Interesse der Fische war es sicher, dass Klaus’ Riesenlampe auf dem Rück-weg ihren Geist aufgab und er nicht weiter die unglücklichen Seebewohner blen-den konnte. Die kleine Lidl-Lampe mit ihrem merkwürdigen Blaulicht war danach geradezu ein Muster an Diskretion. Noch im Flachbereich zwischen 50 und 30 cm wimmelte es so von Fischchen, so dass wir von diesen insgesamt mehr gesehen haben als bei manchem Tauchgang im Meer. Vor lauter Gucken schaffte ich es noch hier, mein Makroobjektiv zu verlieren, doch zum Glück bemerkte ich dieses Malheur gleich und fand es nach einem Moment eisigen Schreckens im Sand liegend wieder.

SüßwasserqualleDer arme Kurt musste sich nun natürlich einiges an Schwärmerei anhören, trug es aber – zu seiner Ehre sei es gesagt – mit Fassung. Die Sucherei ging alsbald weiter, denn alsbald stellte sich heraus, dass meine Sandalen fehlten. Ausgedehntes Suchen half nichts. Schließlich musste ich mir mit Kurts Badeschlappen helfen. Nach langem Herumräumen im Flackerlicht der Lidl-Lampen waren wir endlich auf dem Heimweg und kurz vor der Autobahnauffahrt, als Klaus einfiel, dass er seine Tauchermaske am Einstieg verloren haben müsse. Tja, da blieb nichts anderes übrig, als eine Wende und zurück zum See zu fahren und das gute Stück retten. Hier trieb sie auch tatsächlich gemütlich im flachen Wasser vor sich hin und wir konnten endlich endgültig die Heimat ansteuern. Kurz nach 12 kamen wir in Öhringen vorbei. Da es ohnehin so spät geworden war, beschlossen wir, einen Zwischenstopp bei McDonald’s einzulegen und unsere Heldentaten mit BigMacs und Pommes zu feiern. Um 1 Uhr waren wir dann endlich zu Hause, wo auch meine Sandalen durchweicht aus Dieters Tauchbox wieder zum Vorschein kamen. Abgeschlossen wurde dieser gelungene Abend durch ein schlaftrunkenes Kopfschütteln meiner kurzzeitig erwachten Frau. Ob diese aber ein „Verrückt!“ murmelte, vermag ich nicht mehr mit Gewissheit zu sagen…

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Text: Daniel Stihler , Bilder: Daniel Stihler, Klaus Hirsch