Flusstauchen in der Bühler bei Geislingen, April 2007

Seitdem ein in Geislingen wohnender Freund die kühne Behauptung aufgestellt hatte, in dem mir als nette Abenteuer-Badestelle bekannten Gumpen in der Bühler bei der Geislinger Mühle wäre das Wasser etwa 4 m tief und es gäbe dort eine Höhle, spukte mir der Gedanke im Kopf herum, mal spaßeshalber auszuprobieren, ob man dort tatsächlich tauchen kann. Außerdem wäre das in einem gewissen Umkreis die einzige tiefe Stelle in der Bühler, von dahe r könnte es ja sein, dass sich dort das eine oder andere Relikt der Vergangenheit finden lässt. Es dauerte eine Weile, bis ich ein Opfer fand, das bereit war, solchen dubiosen Vergnügungen nachzugehen, aber schließlich ließ sich Frank breitschlagen, und so machten wir uns – wohl versehen mit den jeweiligen Familien sowie Kuchen, Kaffee usw., auf dass die Exkursion ihr Gutes habe, auch wenn das Tauchen nichts wäre – an einem schönen Sonntagnachmittag im April auf, um diesen Geschichten im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund zu gehen.

Um den Gumpen zu erreichen, muss man durch Geislingen durchfahren und dann in den Feldweg unmittelbar vor der Brücke über die Bühler nach links abbiegen. Vor der Mühle gibt es einen Parkplatz, so dass man nur noch ein paar Meter bis zum Wasser laufen muss. Hier hat sich die Bühler an einer Kiesbank aufgestaut, und davor liegt auf der gegenüberliegenden Seite eine direkt in den Fluss abfallende Felswand, unter der sich die angebliche Höhle erstrecken soll. Oberhalb des vielleicht 10 m langen und 5-7 m breiten Gumpens ist das Wasser gerade mal knie- bis hüfttief, so dass wir uns entschlossen, oberhalb einzusteigen und uns von der Strömung in den Gumpen und an der Felswand entlang treiben zu lassen. Es war gar nicht so einfach, vor dem Abtauchen die angesichts dieser historischen Erstbetauchung notwendigen Bilder zu machen, da die Strömung heftig an Franks Beinen riss. Nach dem Abtauchen ging es erstmal in rasanter Geschwindigkeit mit der Strömung los, wobei sich die noch akzeptable Sicht von etwa 1 bis 1,5 m (ich hatte angesichts der Klagen über die Algenblüte mit weniger gerechnet) und die beeindruckend großen Forellen als erste positive Überraschungen herausstellten. Im Gumpen selbst verschwindet die Strömung weitgehend, dafür wird es tiefer – allerdings bis zu knapp 3 m und nicht 4 m – und es gibt eine abwechslungsreiche Unterwasserlandschaft mit teilweise riesigen Felsblöcken und versunkenen Ästen und Bäumen, die mit Algengirlanden verziert sind. Auch auf die Forellen konnten wir hin und wieder einen Blick werfen, und knapp unter der Wasseroberfläche wimmelte es von kleineren Fischen.

Und tatsächlich entdeckten wir nicht nur eine, sondern sogar zwei Höhlen, von denen die eine, etwas weiter unterhalb gelegene allerdings so eng war, dass man sich kaum hätte hineinzwängen können. Die Bezeichnung „Höhle“ ist hier wohl etwas zu hoch gegriffen, „Loch“ ist da wohl eher angemessen. Die andere war größer, mindestens 1,5 m breit und diente, wie Frank feststellte, einem kapitalen Hecht als Domizil. Da uns der Sinn nicht unbedingt nach sinnlosen Heldentaten stand, beschränkten wir uns darauf, uns einen oder anderthalb Meter hinein zu schieben, zumal unsere Aktionen sich auf die Sichtweiten nicht eben förderlich auswirkten. Aber immerhin, die Höhle ist entdeckt, und vielleicht lässt sie sich bei Gelegenheit noch etwas besser erkunden. Es handelt sich offensichtlich um einen Gang, der durch den Einsturz der Felswand entstanden ist. Der Einstieg liegt bei etwa 1,5 m, und der Gang führt nach oben weg. Nach dem Tauchgang haben wir erfahren, dass es weiter hinten in der Felswand eine Art Kamin geben soll, in den sich Geislinger Lausbuben per Seil hineingelassen haben. Möglicherweise gibt es eine Verbindung zwischen unserer Höhle und dem Kamin, denn angeblich sollen einige der erwähnten Lausbuben auch schon durch den Tunnel in die Bühler hinausgetaucht sein. Ob es allerdings eine kluge Idee ist, als Erwachsener mit sperriger Tauchausrüstung die waghalsigen Unfugstaten kleiner Bengels nachzumachen, das kann man tunlich bezweifeln.

Selbst „historische“ Relikte haben wir bei unserem Tauchgang entdeckt – ein Verkehrsschild, das irgend jemand in der Bühler zu versenken notwendig gehalten hat, sowie diverses, nicht mehr brauchbares Gartengerät. Von Schwertern aus der Bronzezeit oder Schusswaffen aus dem Zweiten Weltkrieg war hingegen nichts zu sehen, aber vielleicht lassen die sich ja beim nächsten Versuch entdecken, wer weiß?

Fazit: Dass der Gumpen kein ganz schlechter Tauchplatz ist, kann man daran sehen, dass wir dort immerhin eine Dreiviertelstunde mehr oder weniger unter Wasser zugebracht haben. Es ist zwar kein Tauchplatz, der einen vor Begeisterung sprachlos macht, aber man sieht immerhin mehr Fische als bei manchem Seetauchgang, die Unterwasserlandschaft ist abwechslungsreich, und die Sicht OK. Wenn man bedenkt, dass man von Schwäbisch Hall aus per Auto in einer Viertelstunde dort ist, ist das gar nicht so übel. Außerdem – das haben wir ebenfalls festgestellt – kann man dort herrlich picknicken, auch wenn das die Begleiterscheinung hatte, dass sich die Kinder bald mehr für den Kuchen interessierten als für die tauchenden Papas…

Mehr Bilder gibt es in der Galerie.

Text: Daniel Stihler / Bilder: Frank Hauenstein, Anne Stihler