Bali, Sommer 2003

Bali führte unter den Tauchreisezielen jahrelang ein Schattendasein. Doch immer mehr erregen die Tauchplätze der indonesischen Touristen-Insel Nr. 1 Aufmerksamkeit durch ihre Artenvielfalt. Fernab vom Massen-Tauchtourismus. Wir besuchten die Insel im Juni und waren begeistert von der hinduistischen Enklave – sowohl über als auch unter Wasser!

Unsere Bali-Rundreise begann in Jimbaran, einem kleinen Fischerdorf im Süden der Insel. Hier blieben wir die ersten beiden Nächte in einer kleinen Anlage mit 6 Bungalows, schönem Pool und wunderbar angelegtem und gepflegten Garten, um uns an die Zeitumstellung (6 Stunden) und das Klima zu gewöhnen. Und natürlich, um die bekannten Fischrestaurants am Stand vom Jimbaran zu besuchen und die herrlichen Sonnenuntergänge zu genießen.

Am zweiten morgen um 7.30 Uhr begann dann unsere Tauch-Tour mit Herbie, unserem Dive-Guide, einem Franken, der seit 5 Jahren auf der Insel lebt und mit einer Indonesierin verheiratet ist. Er spricht indonesisch und ist auf der Insel bekannt wie ein bunter Hund, was uns während der ganzen Tour sehr zu gute gekommen ist. Er erwies sich nicht nur als Kenner der Unterwasserwelt, sondern zeigte uns auch alles Sehenswerte über Wasser, so zum Beispiel den ehemaligen Präsidentenpalast in Klungkung mit Führung durch das Museum, den Fledermaus-Tempel “Goa Lawah”, einen der sieben wichtigsten Tempel der Insel, die wunderschönen Reisterrassen, den Vulkan Mount Agung (3142 m), die Meersalzgewinnungsanlage von Amed, und natürlich die besten Restaurants der Ostküste. Herbie wusste auf all unsere Fragen eine Antwort und wurde nie müde, unsere Neugier über Land und Leute zu befriedigen.

Mit dem Jeep fuhren wir die Ostküste entlang Richtung Norden. Ziel war die Tauchbasis “Water Worx” in Padang Bai, von wo aus wir die ersten beiden Tage zu unseren Bootstauchgängen in der “Strasse von Lombok” starteten. Dort treffen der Indische Ozean und der Pazifik aufeinander, was an diesen Tauchplätzen häufig Temperaturschwankungen zur Folge hat. Das sonst mit ca. 27° C so angenehm warme Wasser misst quasi “um die Ecke” nur noch 20° C bis 22° C. Zudem fallen die Tauchplätze “Gili Biaha” und “Gili Mimpang” – abgesehen von kleinen Simsen – fast senkrecht in die Tiefe. Die exponierte Lage setzt die Steilwände fast ungeschützt Wind und Wellen aus, was die Chance auf Großfische erhöht. Und wir hatten Glück: in einer kleinen Höhle entdeckten wir 5 Weißspitzenriffhaie. Aber auch eine Schildkröte, eine Sepia, ein Oktopus, ein großer Barakuda und Anglerfische konnten wir neben zahlreichen Nacktschnecken an diesen Tauchplätzen bewundern. Auch ein Drift-Dive an der Küste von Nusa Penida mit seinen wunderschönen Korallengärten hat uns sehr gut gefallen.

Weiter Richtung Norden erreichten wir am dritten Tauchtag Amed am Fuße des Mount Agung. Dort fuhren wir mit einem kleinen Fischerboot nur wenige Minuten zu den Tauchplätzen “Jemeluk Slope” und “Light House 2″, wo sich im Balinesischen Meer das Chinesische Meer und der Pazifik treffen. Die Wassertemperatur liegt dort konstant bei ca. 27° C und wir erlebten hier mit die schönsten Tauchgänge auf Bali. Amed hat eine herrliche Steilwand, aber auch schöne Korallenstöcke mit zahlreichen Schaukelfischen. Doch auch der schwarze Lavastrand von Amed hat uns sehr gut gefallen.

Den vierten und fünften Tauchtag verbrachten wir in Tulamben. Hier betauchten wir neben dem Drop off (dort gibt es auf 28 m eine sehr schöne lila Gorgonie mit einem Durchmesser von 3 m) und dem Korallengarten (hier sahen wir einen Napoleon und bei jedem Tauchgang Geistermuränen und einen Schwarzspitzenhai) das bekannte Wrack des US-Frachtschiffs “Liberty”, welches 1942 von einem japanischen U-Boot torpediert und bei Tulamben angelandet wurde. Bei Ausbruch des Mount Agung im Jahr 1963 wurde es von den Geröll-Massen ins Wasser geschoben und zerbrach in zwei Teile. Heute ist es Behausung für eine Unzahl von Fischen, die dort sicheren Unterschlupf gefunden haben. Neben vielen Arten von Doktorfischen, Snappern, gepunkteten und gestreiften Süßlippen zählt hierzu insbesondere eine Familie von 1 _ m großen Büffelkopf-Papageienfischen. Das Wrack ist nahezu gänzlich mit Muscheln, Hart- und Weichkorallen bewachsen. Dazwischen sitzen viele mehrfarbige Federsterne. Es liegt fast parallel zum Lavasteinstrand, ca. 50 m vom Ufer entfernt auf ca. 16 m – 28 m Tiefe.

Damit war auch unsere 5-tägige Tauch-Safari mit Herbie beendet. Er brachte uns weiter im Nordosten nach Sambirenteng in die Bungalow-Anlage “Alam Anda”, auf indonesisch: Das Paradies. Und das war es auch im wahrsten Sinne des Wortes! Ein deutscher Architekt hat sich mit dieser familiären Anlage, bestehend aus 10 landestypischen Bungalows, einer 2 ha großen tropischen Blumengartenanlage unter Palmen, eigener Tauchschule, Restaurant mit Bibliothek, Sitzterrassen und Pool seinen Lebenstraum erfüllt. Die ganze Anlage ist ein Ort der Erholung und Entspannung. Dazu gehört auch die angebotene Ayurveda-Massage, die ihren Ursprung in der 5000 Jahre alten indischen Heilkunst hat. Bei entspannender Musik verwenden zwei Balinesinnen einen Liter warmes Kokosnussöl für die Synchron-Massage. Herrlich! Und auch das Tauchen artet hier nicht in Stress aus: Das Alam Anda hat ein einzigartig schönes Hausriff und viele weitere “geheime” und zum Teil noch namenlose Tauchplätze in der näheren Umgebung, die nur von Gästen des Alam Anda betaucht werden dürfen. Namhafte UW-Fotografen schossen hier einige ihrer Fotos, mit denen sie Spitzenplätze in internationalen Wettbewerben belegten, und sie kommen immer wieder hier her zurück! Insgesamt stellen die Tauchgebiete Balis eine gute Mischung zwischen Rotem Meer und den Malediven dar. Zwar gibt es nur selten die großen Fischschwärme der Malediven, dafür ist die Artenvielfalt und der wunderbar intakte Korallenbewuchs erstklassig!

Als wir das Alam Anda wieder in Richtung Süden verlassen mussten, um die letzten beiden Nächte in Kuta, auch australisch-Mallorca genannt, zu verbringen, hätten die Gegensätze nicht größer sein können. Gerne wären wir noch geblieben, aber die lange Fahrt quer von Nordosten nach Südwesten durch die faszinierende Berglandschaft der Insel mit seinen Gewürz- und Kaffeepflanzen wäre am Tag des Abflugs unmöglich gewesen. Wenn wir einmal wieder kommen wissen wir, dass sich ein zweiter Besuch in Kuta, unter Familienurlaubern und Surfern aus Australien, nicht lohnt. Ganz im Gegensatz zum Alam Anda…

Alles in allem eine sehr gelungene Reise, die nicht nur unter Wasser, sondern auch an Kulturellem einiges zu bieten hat. Es wird wohl mehrere Aufenthalte benötigen, um nicht nur einen kleinen Eindruck der Insel erhalten zu können. Wir haben die individuelle Reiseleitung von Herbie sehr genossen. Auch die Gastfreundlichkeit der Balinesen hat uns sehr gut gefallen. Da wir während der Fussball-WM dort waren, und es im Alam Anda keinen Satelliten-Anschluss gibt, wurden wir von einer Familie im Ort in deren Wohnzimmer eingeladen. Auch das Essen ist sehr lecker und bekömmlich. Die Preise sind günstig: ein warmes Essen (Nasi Goreng oder Mie Goreng) im Restaurant gibt es ab 1,70 EUR, ein Cola (0,33 l) ab 0,60 EUR, ein Bier (0,6 l ) ab 1,50 EUR, ein Bungalow ab 9,00 EUR. Flüge mit Garuda Indonesia (sehr gute Fluggesellschaft mit viel Fußraum!) sind derzeit ab ca. 600,00 EUR zu bekommen. Also individuell zusammenstellen, und keine teure Pauschalreise buchen. Ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle!

Claudia und Markus