Austauchen am Bodensee, 21./22. November 2009

Nachdem das “Austauchen” 2008 wegen schlechtem Wetter und Sturmwarnung ausfallen musste, erwischten wir es dieses Jahr deutlich besser. Nach einer zügigen Fahrt kamen wir gegen Mittag in Überlingen an und machten den ersten Tauchgang an den Tennisplätzen. Zwar konnte die Sonne den ganzen Tag nicht die dichten Nebelschwaden über dem See durchdringen, doch war es trotzdem wenigstens außerhalb des Wassers einigermaßen warm und auch recht hell – und teilweise boten sich gerade durch den Nebel wunderschöne Szenen auf und am See, die manchmal geradezu unwirklich und künstlerisch verfremdet wie ein Aquarell wirkten.

Bereits hier wurde deutlich, dass wir gute Bedingungen erwischt hatten. Das Wasser war klar, die Sonne reichte weit herunter und der Rummel hielt sich in Grenzen. An der Halde herunter gab es einen gemütichen Tauchgang, und irgendwann fanden wir dann auch den gesuchten Beginn der Steilwand sowie einen richtig großen Schwarm kleiner Fische. Frank als Novize im Trockentauchen stellte fest, dass dies eine gemütliche und angehme Art der Fortbewegung in 7°C “warmem” Wasser ist. Beim Füllen der Flaschen gab es interessante Einblicke in den teilweise etwas rustikalen Umgang der Tauchbasen am Bodensee mit der jeweiligen Konkurrenz. Trotzdem reichte es noch zur traditionellen Wurst auf dem Überlinger Weihnachtsmarkt.

Bis zum zweiten Tauchgang am “Seezeichen 24″ war es schon um die 16 Uhr und es konnte ohne Übertreibung von einem Dämmerungs-, geradezu einem Nachttauchgang gesprochen werden. Auch hier gab es wieder schöne Taucherlebnisse an der Steilwand – einige sahen sogar Aale und Hechte. Andererseits machte sich auch der Wert einer Backuplampe bemerkbar! Als wir das Wasser verließen, war die Sonne untergegangen, und dem Auge des Betrachters bot sich ein traumhaft schöner Anblick – schwarzes Wasser, sich spiegelnde Lichter am Ufer gegenüber und die letzten Sonnenstrahlen, die die Nebelschwaden über dem See dunkelrot aufleuchten ließen. Natürlich durften auch die kulinarischen Freuden nicht fehlen, weshalb es abends das – ebenfalls traditionelle – vietnamesische Festmahl in unserer bewährten Unterkunft mitten in der Überlinger Altstadt, der “Sonne”, gab. Es soll sogar Leute gegeben haben, die ein anderes Essen als vor zwei Jahren bestellt haben! Später ging es dann noch in eine gemütliche Kneipe – nach einigem Suchen fand sich eine, die nicht mit vergnügungssüchtigen Teenies und Twens übervölkert war. Manche kamen dann doch sehr spät in die Unterkunft, da ja erst einmal noch sämtliche Probleme Deutschlands gelöst werden mussten. Das wiederum ist auch nicht ohne Präzedenzfälle in vergangenen Jahren.

Nach einem üppigen Frühstück war dann die Bereitschaft nicht sehr groß, sich noch einmal nass zu machen, weshalb nur sehr wenige Unentwegte – im wesentlichen die Trockentaucher und als einziger Nasstaucher und Held des Tages Uwe – den Weg in das Wasser wagten. Den Spaziergängern entging aus Sicht der Beteiligten der schönste Tauchgang des Wochenendes, diesmal am Campingplatz. Wir waren als erste im See und durften uns über besonders klares Wasser, eine ganze Reihe von Fischen, gelegentliche Sonnenstrahlen von oben und eine abwechslungsreiche Unterwasserlandschaft zwischen Steilwand und Halde freuen. Viel besser kann ein Ausflug in den Bodensee kaum sein. Die Verpflichtungen der Tradition führten uns anschließend wie jedes Jahr zur Pizzeria an der Promenade in Sipplingen, wo es ein erstklassiges und üppiges Abschiedsessen gab. Das schöne an Traditionen, wie wir sie im November am Bodensee pflegen: Man weiss nicht nur, was als nächstes kommt, man weiss auch, dass man sich drauf freuen kann…

Daniel Stihler

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