Ausfahrt auf den Sinai, 19. bis 26. Juni 2008

Weichkorallen an einem Dropoff.Zum ersten Mal nach einigen Jahren, in denen vor allem das Mittelmeer (und ganz exotische Ecken wie die Philippinen) auf dem Reiseplan standen, ging es wieder nach Ägypten. Nach einigen Überlegungen hatten wir uns für den Sinai entschieden. Nachdem sich “unser” Chinese am Schenkenseebad als gemütlicher Treffpunkt angeboten hatte, ging es kurz nach Mitternacht am 19. Juni mit unserem bewährten Chauffeur Günne Schöls auf die Fahrt nach Nürnberg, und von dort starteten wir in aller Frühe zu unserem Flug nach Sharm El Sheik. Reichlich kurios war die Verfahrensweise mit dem Tauchgepäck: Einige durften ihre Tauchrucksäcke direkt einchecken, andere mussten identisch große als Sperrgepäck an einem Extraschalter abgeben. Die Logik dabei ist uns nicht recht klar geworden – Harald vermutete, dass das daran lag, dass die einen die Rucksäcke auf das Förderband gelegt, die anderen sie gestellt haben. Des Rätsels Lösung wird uns wohl auf immer verborgen bleiben. Ebenfalls rätselhaft war, dass ich meine Tauchlampe nach einer kurzen Inspektion durch die Dame am Sperrgepäck-Schalter im Rucksack lassen durfte, während alle, die sie ins Handgepäck nahmen, von den gestrengen Herrschaften von der Security aufgefordert wurden, die guten Stücke zu demontieren. Reichlich abstrus, das ganze, aber schließlich saßen wir alle im Flieger, und auch alle legalen, illegalen oder Ermessenssache-Bestandteile unserer Ausrüstung waren dabei.

Ein Clownsfisch bewacht sein DomizilÄgypten begrüßte uns angesichts der Jahreszeit wenig überraschend mit glühender Hitze – nachmittags sicher über 40°C im Schatten. Da wir am späten Vormittag ankamen, konnten wir uns in aller Ruhe im Hotel einsortieren und erst einmal orientieren. Unser Domizil war das “Radisson SAS” in der Nabq Bay, ein paar Kilometer nördlich von Sharm el Sheik und direkt an der Straße von Tiran mit ihren spektakulären Tauchplätzen gelegen. Das Hotel ist eine Riesenanlage, die vor allem von Badeurlaubern genutzt zu werden scheint und ein internationales Publikum hat. Die Zimmer sind großzügig und gut gepflegt, die Anlage schön, der Strand OK mit einem über einen Steg erreichbaren Hausriff, an dem man schön Schnorcheln und Freitauchübungen machen kann – es fällt nämlich fast senkrecht in unergründliche Tiefen ab. Nach Einchecken an der Tauchbasis “Camel Dive Club” ging es am folgenden Tag zum ersten Mal hinaus. Es zeigte sich, dass die Tauchbasis ausgezeichnet organsiert ist und einen guten Service bietet, aber dafür muss man eben auch einen entsprechenden Preis bezahlen. Mit 15 Tauchern hatten wir unser Boot, die “Admiral”, für uns, und konnten so ziemlich frei aussuchen, was wir machen wollten (mit den Einschränkungen, die die Demokratie eben mit sich bringt…). Sowohl mit der Besatzung des Bootes – der Koch zauberte in seiner Küche ein wunderbares Mittagessen – als auch unseren beiden Tauchguides John und Gerrit haben wir es gut erwischt. Die strengen Sicherheitsregeln der Basis brachten es allerdings mit sich, dass wir meist nicht selbstständig, sondern mit Guide getaucht sind. Gestartet wurde je nach Ziel von einem in der Nähe gelegenen Jetty oder aus dem Hafen in der Naama Bay, was Transfers mit dem Auto mit sich brachte.

Das Wrack der "Dunraven".Nach einem schönen, aber unspektakulären ersten Tauchtag ging es am zweiten Tag in die Straße von Tiran. Die anfangs mit etwas Gebrummel aufgenommenen frühen Starttermine bewährten sich, da wir deshalb zumindest unseren ersten Tauchgänge allein oder fast allein machen konnten. Es ist wirklich beeindruckend, wie schön die Riffe trotz des taucherischen Massentourismus sind und welchen Reichtum an Fischen sie bieten. Jackson Reef begeisterte uns mit einem tollen Bewuchs, vor allem farbenprächtigen Weichkorallen, und der Begegnung mit einer großen Schildkröte, die sich gar nicht stören ließ von den vielen Fotografen. Am Thomas Reef ließen wir uns an einer üppig dekorierten, senkrechten Steilwand entlangtreiben, und der dritte Tauchgang bei Ras Ghamila wird mir wegen der in’s Mundstück gemurmelten Verwünschungen in Erinnerung bleiben – gerade, als der Film voll war, trafen wir im Flachwasser noch einen Schwarm Barrakudas und einen neugierigen Napoleonfisch! Unser erster Tauchgang am Ras Muhammed am folgenden Tag lief unter der Überschrift “Open Water”. Auf der schließlich erfolgreichen Suche nach einem riesigen Schwarm Barrakudas – eine Wand von Fischen wie ein Einfamilienhaus – spülte uns die Strömung so weit hinaus, dass wir das Riff nicht mehr erreichten und im Blauwasser austauchen mussten. Aber Gerrit hatte eine Boje dabei, und bis wir unseren Dekostop absolviert hatten, war die “Admiral” schon in der Nähe. Für Wrackenthusiasten wie mich war dann die “Dunraven” ein Höhepunkt. Der 1879 gesunkene Dampfsegler liegt mit dem Kiel nach oben am Riff und ist phantastisch mit Steinkorallen bewachsen, stellenweise auch mit farbenprächtigen Weichkorallen. Man kann durch große Risse bequem in den Rumpf hineintauchen. Er bildet eine große, natürliche Höhle, in der die Reste der Maschinerie und die großen Dampfkessel bewundert werden können. Hier gibt es zahlreiche Schwarmfische und auch manchen Räuber wie einen großen Krokodilfisch zu entdecken.

Gorgonien bei Ras Umm Sid. Am nächsten Tag stand dann wieder Ras Muhammed auf dem Programm. Erneut begeisterte uns der enorme Fischreichtum am Shark Reef – unter anderem große, spiralförmig kreiselnde Doktorfisch-Schwärme, Makrelen und ein paar Barrakudas. Zum Schmunzeln waren dann die Überreste der “Jolanda” mit ihrem über das Riff verstreuten Sortiment an Badewannen und Kloschüsseln der Marke “Ideal Standard” – die wir zu unserer Erheiterung auch in unserem Hotel vorfanden. In der “Jackfish Alley” machte sich eigentlich zum ersten Mal der Massenbetrieb richtig störend bemerkbar – kurz nach dem Abtauchen kreuzten mehrere Boote auf, die über uns hin und her fuhren und ganze Ladungen von Schnorchlern abwarfen. Das permanente Donnergrollen der Motoren beeinträchtigte den Tauchgenuss dann doch etwas und dürfte auch manchen Fisch verscheucht haben. Ein Ausgleich war dann Ras Umm Sid mit den schönsten Gorgonien, die ich bisher gesehen habe und einer kleinen “Blue Water”-Exursion, die immerhin die Begegnung mit einer Schildkröte brachte.

Manta am Jackson Reef.Der letzte Tauchtag begann besonders früh, da wir einen Versuch machen wollten, den an der Nordseite von Jackson Reef gelegentlich anzutreffenden Hammerhaien einen Besuch abzustatten. Wir wurden ein gutes Stück vom Riff entfernt bei ziemlich hohem Wellengang “abgeworfen” – schon eine etwas ruppige Angelegenheit, zumal bei etwa 800 m unter den Flossen. Wir hatten uns gerade zwischen 20 und 25 m austariert, da schälten sich zwei große, dunkle Schatten aus dem Blau. Zuerst dachte ich, dass es Adlerrochen seien, aber es waren unverkennbar Mantas, noch nicht ausgewachsen, aber trotzdem beeidruckend groß! Etwa eine Viertelstunde lang konnten wir diese faszinierenden Geschöpfe beobachten, wie sie immer wieder an unserem Pulk vorbeischwammen, offenbar ebenso neugierig wie wir. Das war sicher eines der schönsten Taucherlebnisse, die das Rote Meer bieten kann. Nachdem wir schließlich das mit den schön bewachsenen Wrackteilen der “Lara” übersäte Riff erreicht hatten – hier kreuzten noch zwei große Thunfische unseren Weg – ging es dann wieder an Bord, was bei dem Wellengang auch nicht ohne war. Mehr Sorge als um meine Knochen machte ich mir um die Kamera, die aber auch diesmal alles gut überstand. Ein schöner Ausklang für mich war dann der Tauchgang im Korallengarten an der Südkante des Gordon Reef, wo die vielen schön bewachsenen Ölfässer aus der “Loullia” (dem auf dem Riff liegenden Wrack) viele kuriose Anblicke boten. Zeitweilig kreiste ein großer Schwarm Füsilierfische über uns, und als wir schon am Aufsteigen waren, flog in seiner unvergleichlichen Eleganz ein großer Adlerrochen an uns vorbei. Abends feuerten wir dann noch die Fußball-Nationalmannschaft an, deren Spiel gegen die Türkei per Großbildschirm an der Poolbar übertragen wurde – hier hatten wir uns auch sonst oft zu unserem abendlichen Dekobier getroffen.

Gruppenbild zum Abschluss. So war unsere Woche im Fluge vergangen, und wir konnten den letzten tauchfreien Tag nutzen, um endlich mal aususchlafen, am Hausriff zu schnorcheln und mit Hilfe der Tiefenmesser Tieftauch-Versuche zu machen und – leider – schon wieder unsere Siebensachen zu packen. Am Morgen des 26. Juni ging es dann wieder zurück zum Flughafen, wo wir noch bei zwei jungen Damen beobachten konnten, dass man auch bei einem Badeurlaub 40 kg Gepäck zusammenbekommen kann. Wie genau, das blieb aber schleierhaft. am frühen Abend waren wieder wieder in Schwäbisch Hall. Fazit: Eine gelungene Reise, insbesondere was das Tauchen betrifft: Ich hätte nie gedacht, dass sich hier, bei dieser Reise, in dieser von Tauchern geradezu überlaufenen Ecke, mein jahrelanger Wunsch, einmal Mantas zu sehen, erfüllen würde. Da nimmt man auch gerne mal eine Woche den Massenbetrieb in Kauf, der hier zwangsläufig vorherrscht.

Mehr Bilder gibt es in der Galerie.

Daniel Stihler