Adventsausflug an den Bodensee, 24./25. November 2007

Wellness statt Tauchen

Der Bodensee am Campingplatz. Die diesjährige Adventsausfahrt an den Bodensee kann man eigentlich nur mit Einschränkungen als Tauchtrip bezeichnen, denn die Anzahl der aktiven Taucher hielt sich in Grenzen. Da handelte es sich erstmal um zwei, die nicht tauchen konnten und von vorneherein als Zuschauerinnen eingeplant waren (Regina Hocher und Sabine Hanselmann), eine, die zwar tauchen konnte, aber nicht wollte (Dagmar Jäger), und zwei, die zwar wollten, aber – aus gesundheitlichen Gründen – nicht konnten (Kurt Hocher und Klaus Hirsch). Dass letzterer seine Tauchsachen wieder in den Geräteraum brachte, scheint die beiden Chauffeure Kurt und Alexander Flint zu dem Gedanken verführt zu haben, dass er dann ja eigentlich auch daheim bleiben könnte. Wie auch immer – sie brausten beide davon, jeder in der Überzeugung, der fehlende Mann säße im anderen Auto, und als Klaus wieder aus seinem Reich auftauchte, war der Parkplatz leer und lediglich seine Tasche unterwegs nach Überlingen. Im Handy-Zeitalter lassen sich solche Probleme etwas schneller beheben als vordem, was auch für Alex’ Vehikel gilt, das unterwegs von einer Panne lahm gelegt wurde.

Die Nichttaucherfraktion.Um Alex die Gelegenheit zum Mittauchen zu geben (auf einen zweiten TG hatte merkwürdigerweise keiner Lust), wurde der erste Tauchgang auf den frühen Nachmittag verschoben und die Zeit mit Bummeln in Überlingen und dem erfahrungsgemäß ausgezeichneten Wurststand auf dem Markt verbracht. Irgendwann stieß Alex mit repariertem Auto wieder zu uns, und wir konnten uns auf den Weg zum Überlinger Campingplatz machen. Schon das Anziehen war ein Erlebnis, denn uns gegenüber hatte sich eine Tech-Diver-Frauengruppe (ja, wirklich, so was gibt es!) niedergelassen. Angesichts der Berge von Ausrüstung – z.B. Doppel-Zwanziger-Flaschen, Tonnen von Blei, zahllose Schläuche, Manometer, schwarze Wing-Jackets mit zahllosen D-Ringen, bierfaßgroße Lampen, natürlich schwarze Anzüge mit vielen Taschen und einer baugerüstartigen Vorrichtung zum Anziehen des ganzen Krams – kamen wir Normalos uns mit unseren kleinen Monoflaschen richtig nackt und uncool vor. Die wahren Helden und “cool” in jedem Wortsinn waren allerdings natürlich unsere drei Nasstaucher Uwe Jäger, Rainer Hanselmann und Dieter Hirsch , aber wenn man den Kommentaren unserer nicht tauchenden Damen folgte, ist der Übergang zwischen Heldentum und Wahnsinn ohnehin relativ fließend. Ich selbst als bekennender Warmduscher hätte ohne Trocki einen weiten Bogen um diesen See gemacht.

Die Taucherfraktion.Unsere ohnehin geringe Zahl reduzierte sich unversehens auf vier, als Alex seinen Tauchgang wegen einer undichten Handschuhmanschette und dem daraus resultierendem Wassereinbruch schon nach wenigen Sekunden wieder beenden musste. Es scheint sich zu einer Tradition zu entwickeln, dass jedes Jahr ein Trockentaucher in seinem Anzug badet – letztes Mal hatte es Kurt getroffen. Der Rest erlebte einen wunderbaren Tauchgang, bei dem sich der Bodensee von seiner besten Seite zeigte, mit Sichtweiten bis 15 m, was an den beeindruckenden Felsformationen an diesem Tauchplatz besonders Spass machte. Einen Vorstoß in größere Tiefen beendeten Dieter und ich bei 38 m, da hier nun wirklich gar nichts mehr zu sehen war. Ich hätte gerne mal eine der Tekkie-Damen unter Wasser gesehen, weil ich mir wirklich nicht vorstellen konnte, wie man sich mit derartig viel Ausrüstung noch bewegen kann, aber in diesem Punkt hatten wir kein Glück. Alle Taucher waren begeistert, bis auf Alex, der beschloss, nicht nach Hause zu fahren, wie er eigentlich geplant hatte, sondern mit uns in Überlingen zu übernachten und am nächsten Morgen noch einmal sein Glück zuversuchen.

Hinter dem von Dieter und mir an der Halde bei 15 m entdeckten, muschelverkrusteten Eisengestell steckt, wie ich später feststellte, eine besondere Geschichte. Es handelt sich um eine Lore oder ein anderes Fahrzeug, das mit dem so genannten „Unternehmen Magnesit“ zusammenhängt. Hierbei versuchten die Nazis 1944/45, in den Molassefelsen oberhalb des Campingplatzes, eine unterirdische Rüstungsfabrik zu bauen, wofür etwa 800 KZ-Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen schuften mussten. Der Abraum wurde im Bereich des Tauchplatzes in den See gekippt (siehe http://www.stollen-ueberlingen.de/). Dies erklärt auch, warum die Halde an dieser Stelle so hoch reicht – es sind Aufschüttungen von 1944/45.

Wozu Tauchen,Wellness pur ist auch nicht schlecht!Nachdem wir endlich unsere Siebensachen eingesammelt hatten (die Tekkie-Damen waren entweder immer noch am Aufrödeln oder Abrödeln, schwer zu sagen), stand nun Wellness auf dem Programm, d.h. ein Besuch in den Überlinger Bodensee-Thermen, wo auch die kältesten Zehen irgendwann wieder auftauten. Wer es sich gut gehen lassen will, ist hier an der richtigen Adresse, und dank Gruppentarif auch zu einem moderaten Preis. Als besondres populär erwies sich das Dampfbad. Es folgte dann Wellness für die inneren Organe, zuerst ein Zwischenstopp im “Galgenhölzle”, dann ein gewohnt üppiges Abendessen mit leckeren vietnamesischen und chinesischen Spezialitäten in der “Sonne” und anschließend noch ein Spaziergang durch die Stadt mit einem weiteren Kneipenbesuch. Auch hier lebte wieder eine alte Tradition auf, nämlich die vergebliche Suche nach einer Kellerkneipe, in der es vor etlichen Jahren angeblich einmal besonders gemütlich gewesen sei…

Die Trockifraktion: Daniel und Alex.Spätestens beim Frühstück traf man sich dann wieder, und hier stellte sich heraus, dass keiner der Nasstaucher mehr zu bewegen war, noch einmal in den Anzug zu steigen, was angesichts des mittlerweile aufgekommenen eisigen Windes mehr als verständlich war. So gingen schließlich nur noch die beiden Trockentaucher Alex und ich noch einmal am Campingplatz ins Wasser und wurden dafür mit einem wunderbaren Tauchgang in Richtung Seezeichen 24 belohnt. Der See war fast noch klarer als am Tag zuvor, das Wasser allerdings noch etwas kälter (5°C statt 6°C – nicht dass das noch einen großen Unterschied macht…) und wir fanden sogar ein paar Fische, die aber eine ähnliche Dynamik wie gefrorene Fischstäbchen zeigten. Einfach toll waren die Felsen und das Spiel des grünlichen Sonnenlichts in den zahlreichen Falten, Rissen und Sprüngen der Wand. Alex war nach dem Fehlschlag am Tag zuvor richtig euphorisch, und auch ich selbst war begeistert und bedauerte, die Kamera daheim gelassen zu haben.

Wellness in Sipplingen.Als wir aus dem Wasser kamen, hatte sich der eisige Wind soweit gesteigert, dass bald darauf Sturmwarnung gegeben wurde, entsprechend hatte ich nach dem Abrüsten nicht nur gefrorene Füße, sondern auch gefrorene Hände. Kein Wunder, dass sich die meisten nicht mal aus dem Auto trauten und mit Mützen und Schals vermummelt unserem absurden Treiben zuschauten. Die eingefrorenen Gliedmaßen tauten in Sipplingen wieder auf, wo wir uns in der Pizzeria an der Promenade mit Seeblick noch einmal kulinarisch verwöhnen ließen – dieses Jahr aber drinnen! Als Fazit ist zu vermerken, dass man bei diesem Ausflug an den Bodensee auch Spass haben konnte, wenn man sich auf Wellness beschränkte. In dieser Zusammensetzung wird es diese traditionsreiche Veranstaltung sicher wieder geben. Nicht nur die Harten kommen in den Garten, sondern auch die, die nicht mal so tun, als ob….

Weitere Bilder gibt es in der Galerie, einen Film hier.

Text: Daniel Stihler, Fotos: Daniel Stihler, Dieter Hirsch, Kurt Hocher