Flusstauchen in der Jagst bei Eberbach

Die Hitze kann einen dazu verleiten, Dinge zu tun, die man sonst eher nicht macht. Zu diesen Dingen gehört die Idee von Rolf, man könnte doch mal einen Tauchgang in der Jagst versuchen, was ich bislang eher für eine Schnapsidee hielt. Doch wenn man für jede Gelegenheit dankbar ist, sich etwas abzukühlen, lässt man sich auch mal auf so etwas ein. Im schlechtesten Fall badet man einfach mal. Und immerhin: weit ist es ja nicht…

 

Also machten wir uns an einem heißen Sonntagnachmittag im August nach Eberbach auf, wo es eine hübsche Badestelle hinter einem Stauwehr gibt. Man kann fast direkt hinfahren, sich problemlos am Auto umziehen und dann über eine gute Treppe ins Wasser steigen. Ein Sprungbrett uns ein Floß gibt es auch, und eine kleine Liegewiese. Da man dort offenbar schwimmen konnte, beschlossen wir, es auch gleich mit Tauchen zu versuchen. Wenn man nun schon mal da ist…
Angesichts der Temperaturen reichte uns ein 5-mm-Anzug – natürlich ohne Handschuhe. Unter  den amüsierten Blicken meiner Frau und dem Staunen der Eberbacher Dorfjugend – Taucher scheinen hier, aus welchem Grund auch immer, relativ selten zu sein – geht es die Treppe hinunter in die unergründlichen Tiefen. Nach einigen Momenten klärt sich das Wasser, und wir bekommen einen ersten Eindruck. Der Grund besteht aus Steinen und Schlamm, die Sicht ist einigermaßen in Ordnung, so etwa 2 Meter weit. Nach etwa einer halben Stunde haben wir uns einen ersten Überblick verschafft. Man bewegt sich meist zwischen 1 und 2 Meter tief – Tiefen, die natürlich nur erfahrenen Tauchern vorbehalten sein müssen. Das ist nicht nur ein Scherz – man muss gut tarieren können, denn sonst sieht man bald nicht mehr viel. In der Mitte des Flusses ist relativ wenig zu sehen, aber auf der gegenüberliegenden Seite sind sehr malerische unterspülte Wurzeln und ein schöner Bewuchs zu bewundern. Dieser wird noch schöner, wenn man ein wenig flussa
fwärts taucht, wo keine Badenden mehr unterwegs sind. Man muss teilweise aufpassen, sich nicht in einem Wasserpflanzendickicht zu verirren, denn man kommt kaum wieder heraus, ohne Schaden anzurichten. Auch Fische hat es einige, sie haben sich nur ein wenig flussaufwärts zurückgezogen. Man begegnet vielen kleinen Schwarmfischen und einige Barschen. Die dicken Hechte, die es hier angeblich auch gibt – so hat man uns erzählt – haben wir allerdings nicht zu Gesicht bekommen. Aber auch so ist es ein gar nicht übler Tauchgang. Und man muss nur eine halbe Stunde fahren, um hinzukommen. Angesichts der Tauchtiefe fragt man sich allerdings schon, ob man das überhaupt ins Logbuch eintragen kann. Aber: getaucht ist getaucht!

Dass allerdings die Hitze auch auf die Jagst ihre Auswirkungen hat, mussten wir am nächsten Wochenende erfahren, als es bei einem zweiten Versuch nur noch 30 cm Sicht gab. Auch hier, in einem eigentlich fließenden Gewässer, haben offenbar die Algen überhand genommen.

Unter diesen Umständen ist es eine durchaus anspruchsvolle Sache, einen Tauchgang zu dritt zu machen. Das Ergebnis war absehbar und führte zu erheblicher Erheiterung bei den Beobachtern am Ufer: Alle paar Minuten tauchte hier ein Taucher auf, schaute nach den Luftblasen der anderen und verschwand wieder; kurz darauf tauchten andernorts wieder zwei Köpfe auf, die sich suchend umdrehten… Nach einiger Zeit beschlossen wir, den Verband aufzulösen und uns einzeln wieder zum Einstieg durchzuschlagen. Mit dem Gesicht über den Grund, die Flossen nach oben, was auch ziemlich seltsam ausgesehen hätten, wenn die Sicht besser gewesen wäre, versuchten wir, wieder den Einstieg zu finden, was natürlich nur mit mehrfachem Auftauchen möglich war. Dann durften wir uns natürlich allerlei Lästereien der Nichttaucher anhören.

Tja, aber immerhin war es wieder recht erfrischend….